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Benno Drallmeier
WM 69
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     Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob man das Schachspiel als Sport bezeichnen mag. Immerhin sind die Aktiven des königlichen Spiels in die Organisation der Sportverbände eingebunden, und das neben etlichen Disziplinen, welchen man die Bezeichnung `Sport´ nur mit großer Nachsicht zugestehen möchte. Eines aber unterscheidet das älteste Spiel der Welt von allen anderen - noch nie musste es auch nur die kleinste Änderung seiner Spielregeln hinnehmen. Undenkbar, dass nun plötzlich der Turm diagonale Züge machen durfte, der Bauer über drei Felder springen und der Läufer hin laufen konnte, wo er wollte. 

     Jedes Spiel braucht seine Regeln, und wenn diese geändert werden, dann in erster Linie, um es zu vereinfachen, zu verbessern oder auch nur dem Zuschauer verständlicher zu machen. Dass die Abseitsregel im Fußball letzteres oft ins Gegenteil verkehrt, die Schiedsrichter als Sehbehinderte erscheinen lässt und die Zuschauer zu wütenden Protesten hin reißt, nimmt man gelassen hin – was sollte man auch anders machen? Wir, die Tischtennisspieler, haben da anders reagiert. Weil ob des schnellen Spiels mit den getunten Belägen der Zuschauer oftmals den Ball nicht mehr verfolgen konnte und man sich von größeren Bällen eine Verlangsamung des Spiels versprach, hat man reagiert. Größere Bälle, geringere Geschwindigkeit? Fehlanzeige, nach kurzer Zeit, nur unterbrochen vom Frischklebeverbot, dann aber wieder Einsatz der Chemie mit angeblich nicht mehr gesundheitsschädlichen Mitteln, war es wieder wie früher. Fernsehbilder in Echtzeitwiedergabe lassen oft nur ahnen, wohin der Ball gerade fliegt, die Verfolgung eines Spiels ist fast so schwierig wie beim Eishockey den Puck zu lokalisieren. Das mag auch an der Aufnahmetechnik liegen oder der Sehschwäche des Zuschauers, besser ist es nicht geworden. 

     Die Aufschlagregel ist ein noch immer nicht gelöstes Problem. Vielleicht ist es wirklich unlösbar, denn wenn ein normaler Spieler von 10 Aufschlägen eines sagen wir Spitzenspielers nur einen auf den Schläger bekommt und der Ball danach an die Decke springt, soll man dem Spitzenspieler diese Aufschläge nun verbieten oder den Durchschnittsspieler solange üben lassen, bis er sie retournieren kann? Beides geht nicht, also belassen wir es dabei. 

     Um die Spannung zu erhöhen, wurde die Zählweise geändert. Auch kürzer sollte das Spiel werden, wenn man auch manchmal mehr Sätze spielen darf. Im Extremfall ist ein Bundesligaspiel dann nach drei Partien zu Ende; um die Sache etwas zu verlängern, muss man Pausen einlegen, zur Unterhaltung das Publikum mit Musik oder sonstigen Einlagen unterhalten oder hinhalten, wo sie doch eigentlich des Sports wegen gekommen sind und durch diesen unterhalten werden wollen. Aus einer Sportveranstaltung wird dann eben ein Event. Dass ein Punktespiel, ob Vierer- oder Sechsermannschaften trotz der Änderungen manchmal über vier Stunden dauern kann, muss man hinnehmen, die unübersehbare Vielfalt der Spielsysteme, ob national oder international, ist in anderen Sportarten undenkbar. 

     Ebenso die inzwischen riesige Vielfalt an Materialien, deren Bewerbung den Anspruch auf höchste High-Tec – Innovationen dokumentieren soll, ein Versprechen, das die gläubigen Konsumenten widerspruchslos akzeptieren und sich von einem Stück Gummi, aufs Holz geklebt, Ballgeschwindigkeiten und Rotationen jenseits aller Vorstellungskraft versprechen, verbunden mit einem Kontrollfaktor, der auch den Ungeschicktesten unter ihnen zu einem unüberwindbaren Gegner in Angriff und Abwehr macht. Das sei ihnen unbenommen. 

     Ganz verwegene Reformer dachten schon daran, die Netzhöhe zu verändern oder gar die Tische zu vergrößern. Dass diese in Höhe und Größe noch einem Cafehaustisch in England vor über hundert Jahren entsprechen und ihre Maße seitdem nicht geändert wurden, erscheint uns in Anbetracht all der bisher vorgenommenen Änderungen als Anachronismus dringend änderungsbedürftig. Wir können es erwarten.
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