Grenzen der
Weisheit
Unsere Politiker sind, wie man täglich
erkennen kann, längst an die Grenzen der Weisheit gestoßen. Weisheit hängt
bekanntlich auch mit Intelligenz zusammen, und die scheint diesem Berufsstand
in letzter Zeit abhanden gekommen zu sein, wenn sie denn überhaupt in
ausreichendem Maße vorhanden war.
Die Frage nach dem Intelligenzquotienten
von Sportlern erübrigt sich dagegen, denn es ist hinreichend bekannt, dass
diese sich zur Spitzengruppe zählen; ob berechtigt oder nicht, ist schwieriger
zu beantworten als den IQ zu erklären. Dies ist nämlich ganz einfach: IQ =
(IA/LA) x 100, wobei IA für Intelligenzalter und LA für Lebensalter stehen;
schon lassen sich nun die Menschen mühelos in die Kategorien schwachsinnig, dumm,
intelligent, und in die höchste Liga, die der Genies, einstufen. Es ginge noch
einfacher: Jean Paul Sartre meinte einst, er halte acht von zehn Menschen für
dumm – eine Aussage, die dazu verlockt, sich ihr anzuschließen,
verständlicherweise sich zu den zwei Intelligenten zu zählen, was zur Folge
hat, dass der eigene Bekanntenkreis plötzlich aus lauter Dummköpfen besteht.
Gleichwohl wird man selten einen dummen Menschen finden, der sich selbst für
dumm hält und dies auch noch zu gibt.
Trotz ihres sicherlich hohen IQ stellen
Psychologen sich inzwischen die Frage „Was ist Intelligenz?“ und müssen
zugeben, dass sie es auch nicht wissen. So bleibt festzustellen, dass wir nicht
intelligent genug sind, um den Begriff Intelligenz zu verstehen. Selbst die sogenannten
Weisen haben darauf keine Antwort parat, denn die Weisheit hat keinen Marktwert
mehr, Weise sind anachronistische Figuren, Weisheit als solche rentiert sich
nicht mehr.
Ungerechter Weise wird den viel
geschmähten und dennoch unverzichtbaren Funktionären oft Mangel an Intelligenz
vorgeworfen, ohne zuerst den Begriff `Funktionär´, der sich in unserem
Sprachgebrauch festgesetzt hat, in Frage zu stellen. Ein intelligenter Mensch
zeichnet sich im Gegensatz zu einem intelligenten Computer (auch ein fraglicher
Begriff) dadurch aus, dass er nicht nur so einfach funktioniert, sondern
selbständig kreativ zu handeln fähig ist und sich automatisch dem bloßen
´funktionieren´ widersetzt. Deshalb dürfte das Wort ´funktionieren´und damit
auch der ´Funktionär´ im Zusammenhang mit menschlicher Intelligenz gar nicht
erst verwendet werden. Funktionieren und Intelligenz schließen einander aus,
was nicht bedeuten muss, dass jeder nach dieser These fälschlich als Funktionär
Bezeichnete tatsächlich intelligent sein müsste.
Die heutige Medizin ist in der Lage,
nahezu alle menschlichen Organe zu verpflanzen. Leider ist die Intelligenz noch
nicht transplantationsfähig, der ungeheuren Nachfrage stünde nach der
Einschätzung Sartres auch nur ein sehr begrenztes Angebot gegenüber.
Freiwillige Spender wären nicht zu finden, deshalb belassen wir es bei dem
gegenwärtigen Verhältnis, wonach jeder sich unbeschwert für höchst intelligent
halten darf, ohne zu wissen, was denn Intelligenz nun eigentlich ist.
Guten Tischtennisspielern schreibt man
Intelligenz und Spielwitz zu. Technische Perfektion wird als selbstverständlich
vorausgesetzt. Dies alles wird ein Spieler mit Ausnahme der Situationen, in
denen sein Trainer ihm bescheinigt, besonders dumm gespielt zu haben, nicht
verlieren, denn Tischtennis, so wird behauptet, verlerne man nicht, so wenig
wie Radfahren oder schlichtes Gehen. Daran glaubte ich, bis mir zwei Fälle
bekannt wurden, wo junge, recht gute Spieler über Nacht nicht mehr in der Lage
waren, auch nur annähernd einen guten Schlag zu spielen – sie befanden sich
wieder im Stadium eines Anfängers, der Mühe hat, mit ungeschickten Bewegungen
den Ball übers Netz zu bringen. Ohne äußere Einwirkung war, um in der
Computersprache zu reden, ihr Programm abgestürzt oder durch einen Virus
zerstört worden. Chaotische Befehle an den hilflosen Körper waren die Folge,
wobei sie keinerlei Beeinträchtigungen ihrer sonstigen Bewegungen
registrierten; nur Tischtennis spielen konnten sie nicht mehr.
Mit viel Mühe gelang es einem nach
einigen Stunden wieder, normal wie vorher zu spielen. Der zweite benötigte dazu
etliche Tage, zog verschiedene Ärzte zu Rate, die ebenso hilflos waren wie er;
dabei entging er an der Universität mit Mühe dem immensen Interesse einiger
Kapazitäten auf dem Gebiet der Gehirnchirurgie, die eine Lösung dieses
Phänomens nur durch sofortigen operativen Eingriff sahen. Glücklicherweise
wurde er ohne jegliche Behandlungen wieder gesund, spielte so gut wie vorher,
doch das Rätsel blieb ungelöst und wird es vorerst auch bleiben.
Bezieht man diese rätselhaften
Verhaltensstörungen auf die eingangs erwähnten Politiker, wird einem klar, dass
der Ausfall vernünftiger Handlungsweisen und Ausdrucksformen auch sie nicht
verschont. Bleibt die geringe Hoffnung, dass es sich nur um temporäre
Erscheinungen handelt....