The winner takes it all
Wer den Solidaritätszuschlag für eine Gehaltserhöhung hält, Dow Jones mit Indiana Jones verwandt glaubt, Derivat für ein Abführmittel hält und noch immer auf die wundersame Vermehrung seines Vermögens mittels lukrativer Investmentfonds und Termingeschäften mit Schweinebäuchen hofft, der wird den folgenden Ausführungen als qualifizierter und in Geldgeschäften erfahrener Finanzexperte mit Interesse folgen. Es geht um Geld – um viel Geld; die Gazetten sind voll von Milliardensummen, die für den Sport, besser gesagt für die Übertragung und Vermarktung sportlicher Aktivitäten locker gemacht werden sollen, damit es allen besser geht, die bisher nur mit ein paar kargen Millionen im Etat am Rande des Existenzminimums dahin vegetieren mussten. Die Gesetze des Marktes jedoch werden wie bisher bewirken, dass dem Produzenten, dessen Erzeugnisse oft nur Augenblicke überdauern, ehe sie Statistik oder Geschichte werden, der geringste Gewinn bleibt – nicht das Handwerk, sondern der Handel hat goldenen Boden, von den wenigen Ausnahmen abgesehen, um die sich dann die Steuerfahnder kümmern.
Die (berechtigte) Besorgnis, der DTTB könnte neben anderen Sportverbänden bei der Verteilung der Gelder zu kurz kommen, ließ den cleveren Kassenwart eines niederbayerischen Kreisligavereins nicht länger ruhen. Der unter Börseninsidern als ´Broker von Untermingharting´ bekannt gewordene Finanzexperte entwickelte mit seinem Spezi, dem Zweigstellenleiter der Reibeisenbank Obermingharting daselbst, ein kühnes Finanzierungsmodell, das neue Wege weist und in seiner Effizienz bald an längst vergangene Wirtschaftswunderzeiten erinnern wird, in denen Ludwig Erhard zugeben musste: „Mit dem Reichtum fertig zu werden, ist auch ein Problem.“ Die zaghaften Bemühungen des DTTB zur Sanierung seiner Finanzen nehmen sich dagegen höchst amateurhaft aus.
Bisher sind die unerschöpflichen Einnahmequellen, die der ahnungslose DTTB besitzt, schlicht übersehen worden, so der umtriebige Niederbayer. Verteilt über die Republik wie die Bohrtürme in Texas, könnten sie wie diese sprudeln und die Verbandsgebiete mit einem warmen, nimmer endenden Geldsegen berieseln, wenn nur jeder mit einer Spielberechtigung und einem Tischtennisschläger versehene Aktive nicht allein um die Ehre, sondern auch um Geld spielen würde. Das niederbayerische Modell ist so einfach wie überzeugend: Beteiligt sich nur die Hälfte unserer Aktiven mit einem Solidaritäts-Hunderter an der ´Drei-Sterne-Anleihe´, so bringt das pro Saison allein im ersten Jahr rund 40 Millionen Euro und, gut angelegt, etliche Millionen an Zinsen. Davon kann auch ein bescheidener Verband wie der unsere gut leben. Bis hierher sieht die Aktion wie ein ganz normales Abzockgeschäft aus, wäre da nicht der Anreiz für die Anleger, sich durch gewonnene Spiele am Ertrag beteiligen zu können.
Mit dem Hunderter erwirbt der Spieler zur Spielberechtigung eine Aktie, die Höhe der Dividende bestimmt er selbst – spielt er gut, darf er seine Coupons vom Spielbericht abtrennen und sich fühlen wie ein Kapitalist alten Schlages, während den Verlierern nach einer verkorksten Saison ein schwarzer Freitag ins Haus steht, denn ihnen werden die verlorenen Spiele gnadenlos von ihrer Einlage abgezogen. Die Bankenaufsichten versichern, dass die ´Drei-Sterne-Anleihe´ nicht mit dubiosen Schneeballsystemen vergleichbar sei. Es handle sich vielmehr um ein zwar neuartiges, aber sehr seriöses Zelluloidballsystem.
Endlich werden auch Spieler der untersten Klassen in die Lage versetzt, mit ihrem Sport Geld (gedacht ist an einen Euro pro Spiel) zu verdienen, und die Not leidende Chefetage wäre unabhängig von Fernseh- und Sponsorengeldern. In wenigen Jahren schon werden wir einen eigenen Fernsehsender präsentieren, und im Aufsichtsrat werden dann die zwei Herren sitzen, denen wir das alles zu verdanken haben. Momentan haben sie nur eine Sorge: dass sich genügend Anleger finden. Sie selbst haben bereits eingezahlt, jeder hundert Euro, nach der Devise „Wir machen den Weg frei!“, und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die restlichen paar Hunderttausend nicht länger zögern und die Vorteile des Systems erkannt haben. Schließlich wird aller Vernunft zum Trotz in weit windigere Projekte investiert, nach meiner und der Experten Meinung: Wenn einer Geld hat, darf er so dumm sein wie er will.